Godorf. (sb). Als am Haus an der Godorfer Hauptstraße vor einigen Wochen auf einmal rote Laternen leuchteten, waren die Nachbarn wie vor den Kopf gestoßen.
"Vorher wussten wir zwar auch nicht genau, was in dem Haus los war, aber es war völlig unauffällig und ruhig. Aber jetzt, die roten Lampen - das ist doch ganz eindeutig ein Bordell", empört sich Theodor Schall, ehemaliger Dachdecker, dessen Betrieb nur ein paar Häusern entfernt liegt. Seit die roten Laternen leuchten, hat sich das Ambiente im Straßenabschnitt gleich gegenüber von der Shell verändert. "Es kommen jetzt vermehrt Autos, die hier parken. Männer gehen rein und raus", erzählt Schall senior. Dass er jetzt offensichtlich gleich ein Bordell in der Nachbarschaft hat, stört ihn sehr. "Seit die Lampen dran sind, liegt hier auf dem Grünstreifen an der Straße jede Menge Müll, Tabletten, Kondome", berichtet er. Er selbst habe den Müll schon entfernt, erzählt er. "Ich finde das auch nicht gut für die Schüler, die gleich an der Bushaltestelle in der Nähe des Bordells ankommen und gegenüber auch wieder den Bus nach Hause nehmen", berichtet Schall. Seine Sorge: "Wer weiß, welche Leute so ein Milieu anzieht", beunruhigt er sich. So wie er empfinden viele Nachbarn in Godorf, so auch Angelika Arenz. Die 54-Jährige wohnt noch näher am Bordell als Schall. Seit die roten Lampen Anfang Dezember am Nachbarhaus leuchten, wurde sie schon mehrfach mitten in der Nacht gestört, erzählt sie. "Morgens um zwei wurde bei mir hier geklingelt. Anscheinend Kunden von nebenan. Vielleicht waren die Männer betrunken, haben sich vertan. Ich weiß es nicht, aber es ist sehr unangenehm", erzählt Angelika Arenz. Sie persönlich wird ihre Nächte in Zukunft wohl ungestört verbringen, denn sie ist mittlerweile mit ihrem Mann umgezogen. Vorerst bleibt das Haus in Familienbesitz, aber wie lange, weiß Angelika Arenz nicht. "Natürlich machen wir uns große Sorgen, dass wir ein Haus gleich neben einem Bordell gar werden vermieten können oder nur weit unterm Preis verkaufen können", teilt sie ihre Bedenken mit. Das sieht auch Theodor Schall so. Ein Bordell in unmittelbarer Nachbarschaft bedeutet für die eigene Immobilie unweigerlich eine deutliche Wertminderung. Familie Arenz haben sich schon ans Ordnungsamt der Stadt gewandt, wurden von dort an das Bauaufsichtsamt verwiesen. Auch dahin hat sich die Familie gewandt, um zu hören, ob es denn rechtens sei, dass einfach so ein Bordell eröffnet. Bisher haben die Arenz noch keine Antwort bekommen. Prostitution ist nicht verboten, die Genehmigung von Bordellen hängt vor allem von der Art des Baugebietes ab. In einem reinen Wohngebiet darf kein Bordell eröffnen, in einem allgemeinen Wohngebiet kann das schon anders aussehen, in Misch- und Gewerbegebieten sind Bordelle in der Regel erlaubt. Im vorliegenden Fall in Godorf hat der Betreiber laut Detlef Fritz, Leiter des Bauaufsichtsamtes der Stadt Köln, anscheinend einen Formfehler bei der Anmeldung gemacht. "Dadurch könnten wir den Betrieb wahrscheinlich vorübergehend stilllegen, das wäre aber nur eine vorübergehende Maßnahme", erklärte Fritz. Den Eigentümer werde man nun zur Anhörung auffordern, teilte er mit. "Vor allem werden wir prüfen, wie es baurechtlich im betroffenen Gebiet aussieht, ob ein derartiger Betrieb hier überhaupt zulässig ist", berichtete Fritz dem Kölner Wochenspiegel gegenüber. Theodor Schall, Angelika Arenz und die andere Nachbarn hoffen, dass die Entscheidung gegen das Bordell ausfallen wird.
http://www.koelner-wochenspiegel.de/rag-kws/docs/320517/koelner-sueden