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Dienstag, 29.06.2010:

Dierdorf: Rumänin sollte Prostituierte werden

Montabaur - Sicherheitskontrollen im Montabaurer Amtsgericht: Bei der Hauptverhandlung gegen ein rumänisches Paar sagte zunächst die Hauptzeugin aus.

 

Menschenhandel lautet der Vorwurf gegen ein junges rumänisches Pärchen. Die 30-jährige Angeklagte und ihr 22-jähriger Freund sollen eine 38-jährige Frau aus Rumänien durch falsche Versprechungen nach Deutschland gelockt haben, damit sie in einem Saunaklub in Dierdorf als Prostituierte arbeitet.

 

Zum Auftakt der Hauptverhandlung sagte die 38-jährige Hauptzeugin aus. Sie berichtete, dass der Kontakt zu der Angeklagten über ihren Bruder hergestellt wurde. Sie wollte der Rumänin angeblich eine Stelle als Haushaltshilfe vermitteln. Nach einem persönlichen Treffen und telefonischem Kontakt wurde die 38-jährige Frau vom Fahrer der Angeklagten schließlich zum Flughafen gebracht, wo sie ein junges Mädchen traf, das ebenfalls von den beiden Angeklagten in Deutschland erwartet wurde. „Ich habe mir direkt gedacht, dass sie als Prostituierte arbeiten soll“, erzählt die Zeugin. Auf den Gedanken, dass das gleiche auch für sie gelte, sei sie nicht gekommen. Nach der Landung in Frankfurt wurden die beiden Frauen nach Sessenhausen in das Haus des angeklagten Pärchens gefahren. Neben ihr selbst und dem mit ihr angekommenen Mädchen seien noch zwei weitere junge Frauen in dem Haus der Angeklagten untergebracht gewesen, berichtet die 38-Jährige.

Am Tag nach ihrer Ankunft sei ihr dann gesagt worden, dass sie in dem Saunaklub als Prostituierte arbeiten solle. „Damit war ich nicht einverstanden“, erklärt die Zeugin. Dennoch berichtet sie, dass sie gemeinsam mit den anderen drei Rumäninnen nach Dierdorf gefahren sei. Die 38-Jährige entledigte sich dort widerstandslos ihrer Kleidung. „Aber ich habe dort nichts gemacht, sondern nur alleine dort gesessen.“ Wie die Zeugin vermutet, habe die gute Freundin der Angeklagten noch während der Nacht per Telefon Bescheid gesagt, dass sie nicht „gearbeitet“ habe..

Wieder im Haus in Sessenhausen angekommen, kam es dann zum Streit. Die 30-jährige Angeklagte habe zu ihr gesagt, dass sie schließlich dafür hier sei, um Geld zu machen. Sie habe gedroht, ihr das Gesicht zu zerschneiden, und der junge Mann habe gesagt, er werde sie erschießen. Am folgenden Tag nahm das Paar sie dann mit nach Koblenz. Die Angeklagte besuchte dort gemeinsam mit der Zeugin ein Internetcafé. Von dort aus gelang der 38-Jährigen die Flucht zur Polizei. Nach ihrer Rückkehr nach Rumänien seien sie und ihre Familie massiv bedroht worden, unter anderem mit der Mafia, und die Mutter der Angeklagten habe sie dazu gezwungen, ihre Aussage bei der deutschen Polizei zu widerrufen und eine neue Aussage zu machen.

Die Angeklagten schienen während der Verhandlung in Montabaur guter Dinge zu sein und lehnten es ab, Angaben zu den Vorwürfen zu machen. Zur Überraschung des Vorsitzenden Richters Ingo Buss erschienen auch ein rumänischer Anwalt und eine Dolmetscherin zur Verteidigung der 30-jährigen Rumänin. Richter Buss war ebenfalls verwundert, dass ein Zeuge aus Rumänien aus eigener Veranlassung, wie er behauptet, gekommen war, um eine Aussage zu machen. Die zahlreichen Zuschauer der Verhandlung, Angehörige der Angeklagten, ließen sich auch von den vor dem Gerichtssaal durchgeführten Sicherheitskontrollen nicht davon abhalten, während der Verhandlung ständig hinein- und hinauszugehen. Jedenfalls war ausreichend Zerstreuung gegeben, während die Verteidiger der beiden Angeklagten die Hauptzeugin mehr als vier Stunden lang befragten. Dabei traten auch einige Ungereimtheiten in der Aussage der 38-Jährigen zutage. Auch räumte sie ein, schon einmal als Prostituierte gearbeitet zu haben. Das hatte sie zunächst verneint. Da etliche weitere Zeugen gehört werden sollen, wurde die Verhandlung vertagt.



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