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Samstag, 04.12.2010:
Eisenhartes Regiment geführt
Auf dem Bonner Straßenstrich und Bordellen in Bornheim soll die Zuhälterbande ein eisenhartes Regiment geführt haben. Jetzt hat die Bonner Staatsanwaltschaft den mutmaßlichen Kopf der Bande angeklagt.
Bonn/Bornheim - Offenbar hatten die Männer wahre Familienunternehmen aufgebaut, sogar schon ihre Söhne aus der bulgarischen Heimat mitgebracht und angelernt. Wie Gerichtssprecher Joachim Klages mitteilte, werden dem in Untersuchungshaft sitzenden 39-Jährigen gewerbsmäßige Zuhälterei, Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, schwere räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung und Bedrohung vorgeworfen. Er wird sich demnächst vor dem Landgericht verantworten müssen. Am 30. Juli dieses Jahres waren neun Bulgaren im Alter zwischen 15 und 39 Jahren nach monatelangen verdeckten Ermittlungen der Polizei festgenommen worden. Drei weitere Verdächtige waren geflüchtet.
Die Frauen mussten alle Einkünfte abgeben - ihre Papiere auch
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 39-Jährige mit einem Sohn, einem Schwager und einem Neffen ab dem Sommer 2008 Frauen aus Bulgarien einschleuste und zur Prostitution zwang. Die Opfer im Alter zwischen 17 und 22 Jahren sollen ununterbrochen unter Beobachtung gestanden und kontrolliert worden sein. Alle Einkünfte mussten sie offenbar genauso abgeben wie ihre Papiere. Um die Frauen gefügig zu machen, sollen sie geschlagen und bedroht worden sein. Laut Anklage drohte der 39-Jährige einer jungen Frau, er werde ihre Eltern umbringen, falls sie nicht mache, was er wolle. Im Mai und Juni 2009 soll er mit Gewalt versucht haben, eine Prostituierte, die auf dem Bonner Straßenstrich auf eigene Rechnung arbeitete, zu zwingen, in Zukunft für ihn zu arbeiten. Als sich die Frau weigerte, soll er sie krankenhausreif geschlagen und ihr gedroht haben, sie zu töten, falls sie nochmals in seinem Bezirk arbeite.
Von der Straße aus in ein Auto gezogen
Zwei Wochen später soll der Angeklagte mit drei Begleitern aufgetaucht sein und die Frau wiederum verprügelt haben. Flüchten konnte anscheinend eine 18-Jährige, die der 39-Jährige und ein Mittäter im Oktober 2009 in Brüssel von der Straße in ein Auto gezogen haben sollen, um sie in Bonn für sich anschaffen gehen zu lassen. Die junge Frau nutzte einen Zwischenstopp, so Klages, um aus dem Auto zu springen, einen Zeugen anzusprechen und aus einem Geschäft heraus die Polizei zu alarmieren. Nachdem eine 20-Jährige aus den Fängen des Clans geflohen war und sich der Polizei anvertraut hatte, erfolgten die Festnahmen. Vor dem Amtsgericht haben bereits drei Prozesse gegen mutmaßliche Mittäter - darunter ist auch der 15-Jährige - begonnen. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen elf Bulgaren erhoben.
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