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Freitag, 08.04.2011:
Menschenhandel-Prozess: das große Warten
„Wir unterbrechen“ - unter diesem Motto stand der Verhandlungstag am Donnerstag am Kölner Landgericht gegen einen 28-Jährigen. Der muss sich wegen „Menschenhandel, Zuhälterei zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung und versuchte Erpressung“ verantworten.
Im August 2009 hatte der Angeklagte eine damals 19-Jährige in einem Club auf der Leverkusener Julius-Doms-Straße kennengelernt, soll sie ihrem Ex-Zuhälter für 5000 Euro abgekauft und vier Monate lang zur Prostitution gezwungen haben. Donnerstag waren insgesamt fünf Zeugen geladen - von denen aber zwei nicht erschienen. Als „sehr zäh“ beschrieb Staatsanwalt Stephan Bartz dann auch den gestrigen zweiten Verhandlungstag.
Los ging's um 9.30 Uhr. Mit der Info des Richters, dass eine Zeugin nicht da sei. Er habe die Polizei zu ihrer Adresse geschickt. Unterbrechung. Um 10.30 Uhr sollte es weitergehen. Der Richter: „Die Polizei hat die Zeugin nicht angetroffen, bei Anrufen auf dem Handy drückt sie die Beamten weg. Ich habe jetzt einen Vorführbefehl erlassen.“ Sprich: Die Staatsmacht soll die Zeugin einsammeln und im Polizeiauto zum Gericht chauffieren. Unterbrechung bis 11.30 Uhr.
Dann der erste Zeuge. Er steht in der nächsten Woche selbst wegen Zuhälterei und Menschenhandel vor Gericht, soll laut Aussage des Opfers ihr Ex-Zuhälter sein - der, dem der Angeklagte sie abgekauft habe. Der 21-Jährige bestritt dies vehement. Er habe eine Liebesbeziehung mit dem Opfer gehabt, dann habe er sie betrogen und sie sei abgehauen. Seitdem habe er nie wieder etwas von ihr gehört.
Ein weiterer Zeuge, Ex-Nachbar des Angeklagten, sagte aus: „In dem Haus wohnen nur Bekloppte, mit denen will ich nichts zu tun haben. Ich kenne den Angeklagten und das Opfer vom Sehen. Weiter nichts.“ Nach einer weiteren Unterbrechung die Info des Richters: „Die Polizisten können die Zeugin nicht finden. Die Wohnung ist verbarrikadiert. Klopfen, klingeln, rufen - sie reagiert auf nichts.“
„Die konnte sich frei bewegen“
Nach einer weiteren Unterbrechung noch ein Zeuge. Ihn konnte die Polizei aufgreifen und ins Gericht begleiten. Er soll das Opfer bewacht und mit Essen versorgt haben. Der 36-Jährige: „Die konnte sich immer frei bewegen. ich habe nicht aufgepasst.“
Die zwei Zeugen, die Donnerstag nicht erschienen, werden nun am Montag von der Polizei in den Gerichtssaal eskortiert. Der Staatsanwalt beantragte bereits, Ordnungsgelder gegen sie zu verhängen.
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