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Montag, 16.01.2012:

Menschenhandel an der Fulle? Bulgarinnen kosten 2000 Euro im Milieu

Nordhessen. Seit fünf Jahren ist Maria A. (28) in Deutschland. Arglos war sie einem Bekannten gefolgt, der ihr das Paradies versprochen hatte. Gelandet ist sie in der Hölle. Sie brauche nicht arbeiten, hatte ihr der Mann versprochen, der ihr Liebe vorgegaukelt hatte.


In Kassel angekommen, sah alles ganz anders aus. „Ich konnte kein Deutsch, nicht lesen und schreiben“, weint die gebürtige Bulgarin. Der Pass wurde ihr weggenommen. Arbeiten musste sie erst in einer Bar und dann als Prostituierte in einer der mittlerweile rund hundert Wohnungen an der Fulle, in denen käufliche „Liebe“ angeboten wird.

Wie eine Sklavin

Nach einiger Zeit wurde sie von ihrem Zuhälter weiter verkauft. „Ich wurde vorgeführt, nur in Schuhen und in einem Stringtanga. Wie eine Sklavin“, erinnert sie sich mit Schrecken. 2000 Euro bezahlte ihr neuer Chef. Und der Schrecken ging weiter. „Maria hat versucht zu fliehen“, erzählt Ahmed A. (38), der der Frau helfen wollte. „In Dortmund wurde sie entdeckt und von sogenannten Nomaden angelockt, die ihr Hilfe versprachen. Stattdessen wurde sie erneut verkauft und arbeitet wieder in Kassel.“

Helfen kann ihr der Mann nicht. Zu verängstigt ist die Frau, die nicht bereit ist, ihren Zuhälter anzuzeigen und vor Gericht auszusagen. „Sie muss weiter in dieser Bar arbeiten. Angemeldet ist sie als Masseurin. Wird  zu Sex ohne Kondom gezwungen und ist nicht krankenversichert“, schildert Ahmed A. die Situation der Frau.

Für Polizeibeamte, die zum K12 (Sitte) gehören, ist das nichts Neues. „Seit dem Mauerfall sind es in erster Linie Südosteuropäerinnen, die im Kasseler Rotlichtmilieu arbeiten. Viele von ihnen kommen aus dem Sinti- und Roma-Bereich, sind Analphabeten. Sie können noch nicht einmal das Nummernschild des Autos ihres Zuhälters lesen. Zu Aussagen sind sie nicht bereit. Deshalb ist es für uns fast unmöglich, einen der Zuhälter zu verhaften. Spätestens vor Gericht ist Schluss, weil die Frauen flüchten.“

Ahmed A., der Maria A.  helfen will, ist verzweifelt.  „Ich weiß, dass sie eine Woche in einer Wohnung eingesperrt war. Seitdem wagt sie es nicht mehr, mit mir zu sprechen. Ich kann es nicht verstehen, dass deutsche Behörden es zulassen, dass Maria  eine Gewerbeanmeldung als Masseurin bekommt und dann nicht prüfen was sie wirklich macht.“



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