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Donnerstag, 28.10.2010:
Möchtegern-Callboy war wohl nur ein Dieb
- 6000 Euro soll ein junger Mann aus dem Landkreis der Mutter seiner Ex-Freundin gestohlen haben. Doch er bestreitet das, will vielmehr durch Prostitution zu Geld gekommen sein. Die Sache ist schwierig — es gibt keine Beweise, dafür eine Menge Verdächtigungen.
Tobias V. (Name geändert) bleibt vor Gericht dabei: „Ich habe das Geld nicht genommen“, sagt er. „Ich wusste nicht einmal, dass sich Geld im Haus befindet.“ Nicht nur die Staatsanwaltschaft mag das nicht glauben. Auch seine damalige Freundin und ihre Mutter haben V. in Verdacht, 6000 Euro gestohlen zu haben.
Die Mutter hatte eine größere Summe Bargeld im Kleiderschrank zwischen ihren Pullovern versteckt. Nachdem Mutter und Tochter ein Wochenende unterwegs waren, fehlten 5000 Euro. Einige Zeit später waren weitere 1000 Euro weg.
Schnell fiel der Verdacht auf V. Der sei kurz zuvor allein im oberen Stockwerk des Hauses gewesen, wo sich der Kleiderschrank befindet. Und während des Urlaubswochenendes habe er einen Schlüssel zur Wohnung der Tochter bekommen — dort hängt der Schlüssel für die Elternwohnung. Mit diesen Vorwürfen konfrontiert, gab V. gegenüber der Mutter seiner Ex-Freundin zu, das Geld genommen zu haben. Kurz darauf, bei seinen Eltern, widerrief er seine Aussage. Er habe das Geständnis nur abgelegt, weil er sich unter Druck gefühlt habe — er habe seinen Lebensstil, der als aufwändig für einen Arbeitslosen bezeichnet worden sei, nicht rechtfertigen können. Denn ein Zubrot habe er mit Prostitution verdient und das habe er nicht zugeben wollen. „Ich habe mich geschämt.“
Damit überzeugte er den Staatsanwalt nicht. Wer nicht geklaut habe, sage das und würde nicht im Nachhinein eine solche Ausrede bemühen. Besonders, da die Ausgaben von V. — eine Spielekonsole für 300 Euro, ein Terrarium für unter 1000 Euro — nicht exorbitant waren.
Schwammige Antworten
Und so fragten Staatsanwalt und Richter Rainer Würth genau nach: Wie er überhaupt zu seinem Job als Callboy gekommen sei, wie die Treffen mit den Damen — angeblich waren es zwei — zustande kamen? Der junge Mann konnte nur schwammige Auskünfte geben, besaß angeblich keine Namen oder Telefonnummern. Eine Sim-Karte, über die die Kontaktaufnahme gelaufen sei, habe er vernichtet, als er mit seiner damaligen Freundin zusammen war, sagte er.
Der 23-Jährige hat schon einmal Geld an sich genommen, das ihm nicht gehört. Sein früher Lehrherr gab vor Gericht an, den jungen Mann ertappt zu haben, wie er ein paar Euro aus der Kaffeekasse stahl.
Und auch eine frühere Bekannte soll von ihm um 200 Euro geschädigt worden sein. V.s Vater erstattete ihr den Betrag; seines Wissens habe sich sein Sohn das Geld aber nur geliehen, sagte er vor Gericht. Außerdem: Er glaube seinem Sohn, ihm komme vielmehr das Verhalten der Geschädigten komisch vor.
Einen Abschluss fand der Prozess nicht; die Bekannte von V. soll geladen werden und über die Geschichte mit den 200 Euro Auskunft geben. In zwei Wochen wird die Verhandlung fortgesetzt.
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