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Donnerstag, 12.05.2011:
Plötzlich war das Liebesmobil da
„Am vergangenen Samstag bin ich hierher gekommen“, berichtete die junge Frau, die mit übereinander geschlagenen Beinen in einem umfunktionierten Wohnwagen sitzt. Ihr Chef habe den Platz am Ruppenberg ausgesucht.
Schleiden - Für regen Verkehr ist der Ruppenberg bei Schleiden, über den die B 258 führt, bekannt. Doch seit einigen Tagen herrscht nicht nur auf dem Asphalt der Bundesstraße selber Betrieb, sondern auch an der Einmündung zu einem Wirtschaftsweg. Dort steht ein „Liebesmobil“ im Busch.
„Am vergangenen Samstag bin ich hierher gekommen“, berichtete die junge Frau, die mit übereinander geschlagenen Beinen in einem umfunktionierten Wohnwagen sitzt. Ihr Chef habe den Platz am Ruppenberg ausgesucht. Die gebürtige Afrikanerin, die sich nicht auf Deutsch, sondern auf Englisch unterhalten möchte, macht einen durchweg netten und freundlichen Eindruck. Ob sich der neue Platz bewähre, werde man sehen, sagt sie. Weitere Details zum Standort kenne sie nicht.
Rote Lackstiefel
Ein wenig gibt die freundliche junge Frau mit den dunklen Augen im Gespräch aber doch noch von sich preis: Sie ist gelernte Näherin. Ihr Lebensweg führte sie von Afrika über Amsterdam nach Schleiden.
Gelassen sitzt sie bei strahlendem Sonnenschein in ihrem Wohnwagen auf einem Stuhl und beobachtet den Autoverkehr ringsherum. Die roten Krokolackstiefel gehen ihr bis zum Knie, die Arme liegen locker auf der Stuhllehne. Fährt ein Auto an ihrer Behausung vorbei und wird dabei langsamer, dann wird sie aufmerksam und dreht den Kopf.
Ralf Hergarten, Bürgermeister der Stadt Schleiden, war überrascht vom neuen Angebot am Ruppenberg, als er am Montag telefonisch vom „Kölner Stadt-Anzeiger“ mit der Nachricht konfrontiert wurde. Umgehend rief er im Rathaus der Gemeinde Blankenheim an, um sich kundig zu machen. Denn an der Ahr ist das Thema „Liebesmobile am Wegesrand“ nicht neu.
Seit fünf Jahren ungefähr, so schätzt Erwin Nelles vom Ordnungsamt der Gemeinde Blankenheim, stehen immer einige dieser Fahrzeuge an ganz bestimmten Straßen. Nelles: „Es gab immer mal wieder Beschwerden bezüglich der Wohnwagen. Männer beklagten sich bisher nie; wenn, dann beschwerten sich immer Ehefrauen.“ Inzwischen haben sich die Beschwerden an der Ahr allerdings weitestgehend gelegt, was die Wohnmobile angehe, so Nelles.
Ralf Hergarten meinte zu dem „Liebesmobil“ in Schleiden: „Solange das Fahrzeug versichert und angemeldet ist, kann verkehrstechnisch nichts dagegen eingewendet werden.“ Auch gehöre das Grundstück, auf dem der rot-weiße Wohnwagen stehe, höchstwahrscheinlich nicht der Stadt. Hergarten: „Zudem können wir erst einschreiten, wenn eine Gefahr oder Beeinträchtigung von solch einem Liebesmobil ausgeht.“ Der Bürgermeister sagte zudem auf Nachfrage, dass das Bordell in Gemünd so gut wie Vergangenheit sei. Er schloss jedoch nicht aus, dass eine Dame dort noch tätig sei.
Schwierige Sachlage
Dieter Mertens, Leiter der Straßenmeisterei Schleiden mit Sitz in Gemünd, wusste vom „erweiterten Nationalpark-Angebot“ ebenfalls noch nichts. Er vermutete, dass es sich bei diesem Standort nicht um eine öffentliche Fläche handele und insofern auch das Land nicht für das Geschehen dort verantwortlich zeichne. „Bei derartigen Fahrzeugen muss nachgewiesen werden, dass sie für andere Zwecke verwendet werden“, sagte Mertens. Doch diesen Nachweis zu erbringen, sei gar nicht so einfach. Auch handele es sich nicht um einen Verkehrsteilnehmer in dem Sinne, dass man einfach dagegen vorgehen könne.
Ähnliche Probleme gebe es auch immer wieder, wenn Firmen Autoanhänger zu Werbezwecken am Straßenrand postierten, meinte Mertens.
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