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Freitag, 23.07.2010:

Polizei befreit Frauen aus der Zwangsprostitution

Bremen. In Bremen gibt es mehrere hundert Modellwohnungen. Vielfach arbeiten Frauen dort freiwillig - aber nicht immer. Die tschechische Polizei brachte die Bremer Polizei im Mai 2010 auf die Spur von gewalttätigen Menschenhändlern. Kürzlich schlugen die Beamten deshalb im Bremer Stadtteil Walle zu.

Im Mai 2010 begannen umfangreiche Ermittlungen wegen schweren
Menschenhandels und Vergewaltigung gegen einen 43-jährigen Bulgaren,  der im Bremer Westen offensichtlich mehrere Frauen gegen ihren Willen in die  Prostitution brachte und ausbeutete. Eines der  Opfer, eine 19-jährige Tschechin, hatte sich per SMS ihrem Freund in Tschechien anvertraut. Dieser erstattete Anzeige bei der tschechischen Polizei, die wiederum die Informationen via Interpol an die deutschen Polizeibehörden weitergab.

Unter Vorwand nach Bremen gelockt

Die 19-Jährige sowie eine weitere junge Tschechin und eine junge
Bulgarin konnten im Rahmen einer daraufhin richterlich angeordneten  Durchsuchung in einer Wohnung in Bremen angetroffen und aus der Zwangsprostitution befreit werden.
Zwei der Frauen gaben an, von Bekannten aus ihren Heimatorten unter dem Vorwand nach Bremen gelockt worden zu sein, es werde ihnen hier  eine Arbeitsstelle vermittelt. Dass es sich hierbei um Prostitution  handelte, wurde ihnen nach Angaben eines Bremer Polizeisprechers erst hier von dem 43-jährigen Bulgaren eröffnet. Dieser nahm ihnen ihre Pässe ab und schränkte so ihre Fluchtmöglichkeiten ein. Die 19-jährige Tschechin gab weiter an,zweimal von diesem vergewaltigt worden zu sein.

Der 43-Jährige wurde bei seinen Tätigkeiten durch seine 24-jährige
tschechische Lebensgefährtin und seinen ebenfalls 24-jährigen Sohn unterstützt, welche die Frauen mittels Überwachungskamera an der Flucht hinderten und deren Einnahmen für den 43-jährigen Bulgaren einsammelten. Nur ein geringer Anteil der Einnahmen wurde den Frauen überlassen. Der 24-jährigen Lebensgefährtin wird weiter zur Last gelegt, eines der Opfer, bei dem es sich um ihre Cousine aus Tschechien handelt, unter einem Vorwand nach Bremen gelockt zu haben, wo sie dann von dem 43-jährigen Bulgaren zur Prostitution gezwungen wurde. Sie hat ferner Termine mit den Freiern für die Frauen vereinbart. Der Sohn des Bulgaren hielt die Frauen durch Schläge zur Prostitution an und überwachte die Einhaltung der von dem 43-jährigenaufgestellten Regeln.

Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben

Das Amtsgericht Bremen hat auf Antrag der Staatsanwaltschaft gegen die 24-jährige Tschechin und den 43-jährigen Bulgaren Haftbefehl wegen Flucht bzw. Fluchtgefahr erlassen. Die 24-jährige konnte direkt im Anschluss an die ersten Maßnahmen am 19. Mai 2010 festgenommen werden und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft hat gegen sie am 28. Juni 2010 Anklage vor dem Amtsgericht Bremen u.a. wegen schweren Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung und Zuhälterei erhoben.

Der zum damaligen Zeitpunkt bereits auf der Flucht befindliche
43-jährige Bulgare wurde am 8. Juli 2010 in Bulgarien festgenommen. Eine Entscheidung über seine Auslieferung durch die bulgarischen Behörden  steht noch aus. Nach seinem 24-jährigen Sohn wird derzeit noch gefahndet.



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