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Mittwoch, 21.04.2010:

TAZ / Die CDU-Fraktion bringt das Thema Wohnungsprostitution auf die Tagesordnung

taz: Frau von Lengerke, finden Sie es gut, dass sich die CDU das Thema Wohnungsprostitution auf die Fahnen schreibt?

Julia von Lengerke: Das kommt auf den Hintergrund an. Zu fördern, dass Bordelle - auch die so genannten Modellwohnungen - ein Gewerbe anmelden, ist gut. Die aktuelle Debatte nimmt aber eine schwierige Richtung ein.

Sie meinen?

Wir fürchten, dass es auf eine Verdrängung der Prostitution aus den Innenstädten und Wohngebieten hinausläuft. Die meisten Frauen sind gewerblich gemeldet, zahlen Steuern wie alle - ihrer Arbeit sollen sie aber woanders nachgehen. Ich sehe da eine gewisse Doppelmoral.

Wie verbreitet ist Wohnungsprostitution in Bremen?

Es gibt etwa 250 Modellwohnungen in der ganzen Stadt, nicht nur in der Neustadt, auch in Schwachhausen. In vielen Wohnungen arbeiten die Frauen schon seit Jahrzehnten - ohne Probleme. Erst jetzt tauchen plötzlich Leute auf, die sich davon in ihrer Moral genötigt sehen.

Was bedeutet es für die Frauen, in Wohnungen zu arbeiten?

Für viele Vorteile: Sie können frei und ohne Zwang arbeiten. Es gibt aber auch Wohnungen, in denen illegal gearbeitet wird, wo Frauen Opfer sind. Dort ist es für die Polizei schwierig, einzugreifen und Zutritt zu bekommen. Deshalb ist es auch so wichtig, dass sich die Betriebe anmelden.

Ist da nicht auch Öffentlichkeit wichtig?

Ich bin zwiegespalten. Prostitution ist ein Thema, das man nicht wegwischen kann. Es gibt sie und sie erfüllt in unserer Gesellschaft wichtige Funktionen. Viele moralisieren aber nur. Schön wäre es auch, wenn endlich mit den Frauen gesprochen würde, nicht immer nur über sie. INT.: THA

10 Uhr, Plenarsitzung, Bürgerschaft


Julia von Lengerke, 37

 ist Sozialarbeiterin bei der Beratungsstelle für Prostituierte Nitribitt



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