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Montag, 16.08.2010:
Zuhälter nehmen Pässe ab
Die Polizei hat in der vergangenen Woche einen Menschenhändlerring zerschlagen, der Frauen aus Bulgarien in der Region Köln/Bonn zur Prostitution zwang. Die Polizei berichtet jetzt über die Methoden der skrupellosen Zuhälter.
Bonn - Folgen für den Bonner Straßenstrich hatte die Zerschlagung des Menschenhändlerringes nicht. „Die unmittelbare Wirkung war punktuell. Die ein oder andere Frau arbeitet zwar nicht mehr dort, aber viele sind weiterhin aktiv“, sagt ein Ermittler. „Grundsätzlich wird sich nichts verändern. Wenn zehn bis 15 Bulgarinnen verschwinden, dann rücken neue nach. Es ist eigentlich ein Kampf gegen Windmühlen.“ Wenn auch ein sehr sinnvoller. Denn „wenn wir das Leid der ein oder anderen Frau beenden können und die Verantwortlichen vor Gericht bringen, dann hat es sich gelohnt“.
Die Frauen sind um die 20 Jahre alt
Doch nicht nur das: Es sei vor allem auch wichtig, der Bevölkerung bewusst zu machen, was „dort eigentlich geschieht“. Dass sich die Frauen, die meist „um die 20 Jahre alt sind“, zwölf bis 15 Stunden prostituieren müssen. Dass ihnen die Pässe abgenommen werden, sie - wenn überhaupt - nur einen minimalen Bruchteil ihres verdienten Geldes bekommen. Dass sie aufgrund dieser Abhängigkeit häufig nicht wissen, was sie tun sollen, wenn der Zuhälter festgenommen wird. Dass sie Angst vor den Konsequenzen haben, wenn sie versuchen zu entkommen und aufgegriffen werden. Dass sie teilweise schon jahrelang in Deutschland sind und den Absprung nicht schaffen. Oder dass sie neu im Land sind „und hier angelernt werden“. Von Männern, die sie emotional an sich binden, um sie dann auf den Strich zu schicken.
Aus ärmlichen Verhältnissen
Nicht klassisch aber ist, dass die bulgarischen Frauen meist aus ärmlichen Verhältnissen stammen. Sie haben ein geringes Bildungsniveau und häufig keine Schule besucht.“ Und hätten auch deshalb häufig Probleme, sich aus der Situation zu befreien. Und aus Verantwortung ihren Familien gegenüber. Diese seien arm, erhielten von den Zuhältern häufig ein wenig Geld. „Das ist eine moralische Abhängigkeit. Denn was passiert mit den Familien, wenn kein Geld mehr aus Deutschland kommt?“ Zurzeit arbeiten die Ermittler Fälle der vergangenen zwei Jahre auf und prüfen, ob sie auf die festgenommene Bande zurückzuführen sind. Außerdem bleiben Stadt und Polizei weiterhin am Strich präsent, kontrollieren regelmäßig. „Der Straßenstrich hat nicht nur Nachteile. Sonst könnte es sein, dass alles in die versteckte Wohnungsprostitution abgleitet“, sagt der Ermittler.
Milieubedingte Kriminalität
Es sei dann noch schwieriger der milieubedingten Kriminalität wie Körperverletzung und Vergewaltigung Herr zu werden. Außerdem kontrollierten sich die Frauen am Strich untereinander und könnten forschen, wenn eine Frau nicht mehr auftauche. Laut Staatsanwaltschaft haben die neun Verdächtigen, die nach wie vor in Haft sind, bisher keine Angaben gemacht. Soviel steht den Ermittlern zufolge fest: Die Männer lebten eine Weile hier, um die Frauen zu kontrollieren, verschwanden wieder nach Bulgarien und kamen nach einer Weile wieder zurück. Auch einige Opfer sollen wieder zurück nach Bulgarien gefahren sein.
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