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Donnerstag, 27.05.2010:
Zwangsprostitution in Bremen nimmt zu
Von außen wirken sie wie herkömmliche Wohnungen. Doch in den Zimmern der so genannten "Bordell-Wohnungen" bieten Frauen ihren Körper gegen Geld an, viele von ihnen unter Zwang. Kriminalkomissar Gregor Weisner ermittelt seit sieben Jahren gegen Menschenhändler, einen hat er in der Neustadt hochgehen lassen. "Er hat die Frauen mit Schlägen gefügig gemacht. Viele hat er auch vergewaltigt."
Prostitution im Mehrfamilienhaus
Der Bulgare hatte ein Mehrfamilienhaus angemietet und die Frauen dort zur Prostitution gezwungen. Nachdem er verhaftet wurde, ist das Problem längst nicht gelöst: Schnell gab es neue Huren, die in dem Haus auf Freier warten. Laut Polizei gibt es rund 250 solcher Wohnungen in Bremen. Zwar geht die Polizei davon aus, dass die meisten zur Prostitution gezwungen werden. Doch die rechtliche Lage erschwert die Ermittlungen.
Senator: "Gesetz half eher den Zuhältern"
Eigentlich sollte das Prostitutionsgesetz den Frauen mehr Sicherheit geben. Vor acht Jahren hat die Bundesregierung damit die Prostitution in umfassendem Maße erlaubt. So sollten kriminelle Machenschaften wie Zuhälterei aussterben. Heute zieht der Bremer Innensenator Mäurer eine enttäuschende Bilanz: "Das Gesetz hat nur den Zuhältern geholfen, nicht den Frauen."
Neues Gesetz als Freifahrtschein
Viele Schlepperbanden sehen das neue Gesetz als Freifahrtschein für ihre illegalen Geschäfte. Ein Großteil der Frauen kommt aus Bulgarien oder Rumänien. Gregor Weisner weiß, dass die Armut sie nach Deutschland treibt. "Sie erhoffen sich eine bessere Zukunft, und ihre Zuhälter locken sie mit falschen Versprechungen." Am Ende landen sie im Milieu – die meisten kommen nicht mehr heraus. Der Polizei fehlen entsprechende Zugangs- und Kontrollrechte, um den Frauen helfen zu können. Vor allem die "Modell-Wohnungen" sind keine eindeutig erkennbaren Etablissements mehr, was die Ermittlungen erschwert.
Forderung: Mindestalter 21 Jahre
Innensenator Mäurer will nun eine Gesetzesänderung im Bund anregen. So soll sich die soziale Lage für die Prostituierten verbessern. Auch die Polizei soll dadurch besser eingreifen können. Vor allem will Mäurer, dass Prostitution unter 21 Jahren verboten wird. "Gerade bei Menschenhandel ist ein Großteil der Opfer jünger als 21 Jahre. Jeder, der Frauen in dem Alter einsetzt, macht sich strafbar. Ich glaube, das würde abschrecken."
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